Reinhold Messner blickt auf sein Leben zurück

Literaturnews

1. Februar 2015|1 Minutes

Wie riecht Heimat? Wie viel Freiraum braucht ein Kind? Wie überlebenswichtig sind Angst, Egoismus und Instinkt?

In seinem aktuellen Buch „Über Leben“ beschreibt Reinhold Messner in Etappen seinen Weg vom Südtiroler Bergbub zum größten Abenteurer unserer Zeit, zum kampflustigen Politiker, engagierten Bauern, Wanderfreund von Managern und Politikern, zum Gründer einer einzigartigen Museumslandschaft, zum Ehemann, vierfachen Vater und Familienmenschen.

In ungezählten Expeditionen hat er ausprobiert, wie Überleben funktioniert. Freimütig hält er heute Rückschau auf sieben Jahrzehnte, die schon früh von extremen Naturerlebnissen und Begegnungen mit dem Tod geprägt waren, schreibt über Ehrgeiz und Scham, Alpträume und das Altern, über Neuanfänge und über die Fähigkeit, am Ende loszulassen.

 

“Über Leben” von Reinhold Messner ist eine tiefgreifende Reflexion seines außergewöhnlichen Lebens. Messner teilt Erkenntnisse und Erfahrungen, die er auf seinen Abenteuern gesammelt hat, und betrachtet kritisch die Höhen und Tiefen seiner Karriere.

Persönliche Einsichten

Messner öffnet in “Über Leben” sein Innerstes und gibt Einblicke in seine Gedankenwelt. Er reflektiert über wichtige Lebensfragen und was es bedeutet, in Extremsituationen zu überleben.

Gebundene Ausgabe: 336 Seiten
Verlag: Malik


Klaus Vogel zu Gast in der Sendung alpha Forum

Literaturnews

4. Januar 2015|1 Minutes

Am 08. Januar um 20:15 Uhr ist Klaus Vogel, Schulleiter der Jugendstrafanstalt Berlin, Gesprächspartner im alpha-Forum auf ARD-alpha.

In der Sendung kommen Persönlichkeiten aus Politik und Wirtschaft, Wissenschaft und Gesellschaft, Religion und Kultur in 45 Minuten ausführlich zu Wort.

Bereits im Oktober 2014 veröffentlichte Klaus Vogel im riva Verlag sein erstes Buch, in dem er seine Erfahrungen aus 20 Jahren Jugendgefängnis niedergeschrieben hat.

Und darum geht´s in „Lebenslänglich Knastlehrer“ von Klaus Vogel:

Seit über 30 Jahren ist Klaus Vogel Lehrer aus Passion – und den Großteil davon im Gefängnis. Er ist Schulleiter in der Jugendstrafanstalt Berlin und unterrichtet straffällig gewordene Jugendliche, um ihnen einen Schulabschluss und damit die Wiedereingliederung in das Leben nach dem Knast zu ermöglichen.

In diesem Buch erzählt er von Jugendlichen, die das Gefängnis hinter sich lassen und ein neues Leben beginnen können, und von denen, die immer wieder kommen. Und das sind nicht wenige.

Umrahmt von vielen Begebenheiten aus seinem langjährigen Berufsalltag erklärt Klaus Vogel, woran es im Umgang mit den straffälligen Jugendlichen mangelt, was sich ändern müsste – und warum er seinen Beruf trotz aller Probleme und Widerstände noch immer aus tiefer Überzeugung und voller Herzblut ausübt.

Taschenbuch: 208 Seiten
Verlag: Riva

Die Sendung alpha Forum mit Klaus Vogel kannst du hier im Livestream mitverfolgen>>>


T.S. Eliots Todestag jährt sich zum 50. Mal

T.S. Eliots Todestag jährt sich zum 50. Mal

3. Januar 2015|2 Minutes

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3. Januar 2015|2 Minutes

Er veränderte die englische Lyrik grundlegend: T.S. Eliot. Am 4. Januar jährt sich nun sein Todestag zum fünfzigsten Mal. Und noch heute werden seine Gedichte nicht weniger gern gelesen, als zu Lebzeiten.

Sein berühmtestes Gedicht ist dabei wohl „The Waste Land“ (Das wüste Land) von 1922.

T.S. Eliot adelte die englische Literatur mit seinem Werk. Durs Grünbein nannte ihn die „Mona Lisa der neueren Poesie“. Denn der gebürtige Amerikaner goss die Lyrik in neue Formen und ließ dabei ein ganzes Universum an dichterischer Tradition aufblitzen.

Das Ergebnis: eine einzigartige, vielschichtige Dichtung, die ihn zu einem der berühmtesten Lyriker der Moderne machte.

Und wusstest du eigentlich, dass das Musical „Cats“ von Andrew Lloyd Webber auch auf einigen veröffentlichten Gedichten von T.S. Eliot basiert?

T.S.Eliot ist uns so, auch 50 Jahre nach seinem Tod, bewusst und auch unbewusst, allgegenwärtig und wird nie in Vergessenheit geraten.

Hörbuch-Tipp:

T.S. Eliots Lyrik muss man hören wie Musik. All denen, die sich der Kunst des T.S. Eliot nähern möchten, empfehlen wir deshalb das Hörbuch „POEMS – The Waste Land und weitere Gedichte“. Denn in einer Aufnahme von 1947 rezitiert der Lyriker selbst nahezu musikalisch seine Gedichte.

Aber auch die deutschen Übertragungen der Gedichte, gelesen von Gert Heidenreich, Hans Magnus Enzensberger, Stefan Hunstein und Hanns Zischler leuchten die Dichtkunst Eliots kraftvoll aus.

Verlag: der Hörverlag
2 Audio-CDs, Laufzeit: 123 Minuten


So rot wie Blut

"So rot wie Blut" von Salla Simukka als bestes Jugendbuch gewählt

1. Januar 2015|2 Minutes

Literaturnews

1. Januar 2015|2 Minutes

Die Deutsche Akademie für Kinder- und Jugendliteratur e.V. kürt monatlich das beste Jugend-, Kinder- und Jugendbuch.

Als Buch des Monats Januar 2014 im Bereich Jugendbuch wurde von der Jury dabei diesmal der Roman „So rot wie Blut“ von der finnischen Buchautorin Salla Simukka augezeichnet.

„So rot wie Blut“ ist der erste Teil einer Trilogie um die Protagonistin Lumikki (zu dt.: Schneewittchen), der bereits in Finnland einen Riesenerfolg feiern konnte und nun auch seine deutschen Leser fesselt.

Und darum geht´s:

Als Einzelgängerin hält sie sich aus allem raus – bis Lumikki die tropfnassen Geldscheine auf einer Wäscheleine entdeckt und in eine gefährliche Geschichte hineingezogen wird.

Was für ihre Mitschüler als dummer Streich begann, entwickelt sich schnell zu einer Hetzjagd auf Leben und Tod. Die 17-Jährige muss sich im gnadenlosen Drogengeschäft zurechtfinden, in dem nur eine Währung zählt: Blut.

Wem kann sie noch trauen?

Spannendes Jugendbuch

“So rot wie Blut” fängt die Aufmerksamkeit mit einer packenden Geschichte rund um Lumikki und ihre unfreiwillige Verstrickung in eine gefährliche Angelegenheit. Die Geschichte ist fesselnd und hält die Leser bis zur letzten Seite in Atem.

Charakterentwicklung und Vertrauensfragen

Lumikkis Charakterentwicklung und ihre Herausforderungen im Drogengeschäft beleuchten Themen wie Vertrauen und Verrat. Ihre Reise ist eine Mischung aus Spannung und persönlichem Wachstum, was “So rot wie Blut” zu einem lesenswerten Jugendbuch macht.

 

Gebundene Ausgabe: 304 Seiten
Verlag: Arena

Über die Deutsche Akademie für Kinder- und Jugendliteratur e.V.:

Hauptanliegen der Deutsche Akademie für Kinder- und Jugendliteratur e. V. ist die Förderung der deutschen Kinder- und Jugendliteratur.

Neben regelmäßig stattfindenden Veranstaltungen zur Kinder- und Jugendliteraturvermittlung im In- und Ausland zeichnet die Akademie herausragende Persönlichkeiten sowie kinder- und jugendliterarische Werke aus.


Unveröffentlichte Kurzgeschichten vom Bestsellerautor Konsalik aufgetaucht

Literaturnews

14. Dezember 2014|2 Minutes

Heinz G. Konsalik (1921-1999) veröffentlichte zu Lebzeiten über 155 Romane und zählte zu den kommerziell erfolgreichsten deutschen Schriftstellern.

Und jetzt, 15 Jahre nach seinem Tod, gibt´s für Lesefreunde und Konsalik-Fans eine wahre Sensation! Denn aufgrund eines Wasserschadens im Keller des Familiensitzes hat Konsaliks Tochter Dagmar wie durch einen Zufall 50 noch unveröffentlichte Kurzgeschichten des Bestsellerautors gefunden. Dies berichtete die „Bild am Sonntag“.

Die gefundenen Texte sollen dabei aus einer Zeit stammen, bevor Heinz G. Konsalik seinen großen Durchbruch als Romanautor mit dem Werk „Der Arzt von Stalingrad“ hatte. Derzeit ist Dagmar Konsalik noch mit dem Sichten der bisher unbekannten Schätze beschäftigt. Doch es wird sicher nicht mehr langen dauern, bis wir einen „neuen“ Konsalik in den Händen halten dürfen!

Mehr über Heinz G. Konsalik:

Heinz Günther Konsalik wird am 28. Mai 1921 in Köln geboren.

Und obwohl seine Kurzgeschichten bereits in Tageszeitungen veröffentlicht werden, als er 15 ist und ihm damit ein gewisses Talent zugeschrieben wird, beginnt er auf Wunsch seines Vaters nach dem Abitur ein Medizinstudium.

Dieses bricht er allerdings bald wieder ab, um Dramaturg zu werden. Um dieses Ziel zu erreichen, studiert er Theater- und Zeitungswissenschaften und Literaturgeschichte in Köln, München und Wien und verfasst in dieser Zeit Theaterstücke.

Im 2. Weltkrieg wird Konsalik als Kriegsberichterstatter in Russland schwer verwundet. Nach Ende des Krieges setzt er sich ein neues Ziel: er will den nachkommenden Generationen die Schrecken des Krieges eindringlich und realistisch schildern.

„Der Arzt von Stalingrad“, mit dem Konsalik berühmt wurde, zählt zu den Klassikern des 2. Weltkriegs.

 

Folgende Romane von Konsalik wurden bereits verfilmt:

Der Arzt von Stalingrad (1956)
Strafbataillon 999 (1959)
Dr. med. Erika Werner (1962)
Entmündigt (1963)
Liebesnächte in der Taiga (1966)
Das Schloß der blauen Vögel (1968)
Ein toter Taucher nimmt kein Gold (1973)
Der schwarze Mandarin (1994)
Eine Sünde zuviel (1970)
Mayday… Mayday… Eastern Wings 610 (1995)

An dieser Stelle möchten wir euch auch noch einmal das Interview von Heinz G. Konsalik nahe lesen, dass er 1990 dem Spiegel gab>>>


Neue Harry Potter-Geschichten zu Weihnachten

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10. Dezember 2014|1 Minutes

J.K. Rowling bereitet Harry Potter-Fans jetzt bereits vorzeitig das wohl größte Weihnachtsgeschenk, was man wohl machen kann. Denn auf ihrer Website www.pottermore.com veröffentlicht die Bestsellerautorin ab dem 12.12.2014 bis Weihnachten jeden Tag eine neue Kurzgeschichte aus Hogwarts. Um die Harry Potter Geschichten auf eine neue Weise entdecken zu können, bedarf es nur einer kostenlosen Registrierung und schon kann die Reise in Harrys Zauberwelt beginnen.

Und so viel sei schon einmal verraten: die neuen Geschichten sollen wohl allesamt von dem verhassten Fiesling Draco Malfoy handeln.

Und es gibt einen weiteren Grund zur Freude! Ende 2016 erscheint mit „Fantastic Beasts and where to find them” eine neue Zauberfilm-Trilogie, zu der J.K.Rowling die Drehbücher erstellt. Erzählt wird darin die Geschichte des britischen Zoologen Newt Scamander, der im New York der zwanziger Jahre lebt. Die Story soll dabei eine indirekte Fortsetzung von Harry Potter sein.

Wir dürfen also gespannt sein!


Alberto da Costa e Silva erhält Camões-Literaturpreis

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3. Juni 2014|1 Minutes

Benannt nach dem berühmten portugiesischen Dichter Luís de Camões, ist der Camões-Literaturpreis die bedeutendste literarische Auszeichnung in der portugiesischsprachigen Welt.

Bereits seit 1989 wird diese alljährlich vergeben und ist mit ca. 100000 Euro dotiert.

In diesem Jahr geht der Preis an den brasilianischen Schriftsteller Alberto da Costa e Silva, dessen Texte von herausragender Qualität seien, so die Jury. Der in São Paulo geborene 83-Jährige wurde in der Literatur unter anderem durch seine Gedichtbände und Autobiografien bekannt.

In seinen Veröffentlichungen setzte er sich dabei vor allem mit der afrikanischen Geschichte auseinander.

Sein neuestes Werk hierzu wurde 2012 in Brasilien unter dem Titel Imagens da África veröffentlicht.

Einige seiner Werke (Auswahl):

Autobiografische Schriften

  • 1994: Espelho do príncipe
  • 2007: Invenção do desenho

Dichtungen

  • 1953: Parque e outros poemas
  • 1962: Tecelão
  • 1962: Carda, Fia, Doba e Tece
  • 1981: A Roupa no estendal, o Muro, os Pombos
  • 1986: A Queimada e a derrubada
  • 1986: Poemas
  • 1993: Consoada

Afrikanistische und geschichtswissenschaftlichen Werke

  • 1992: A Enxada e a lança.‘ A África antes dos portugueses
  • 2002: A Manilha e o libambo: a África e a escravidão, de 1500 a 1700
  • 2003: Um rio chamado Atlântico. A África no Brasil e o Brasil na África
  • 2004: Francisco Félix de Souza, mercador de escravos
  • 2005: Das mãos do oleiro. Aproximações

Jugendliteratur

  • 2006: Um Passeio pela África
  • 2008: A África explicada aos meus filhos


Die Gewinner für den Preis der Leipziger Buchmesse 2014 stehen fest

Literaturnews

16. März 2014|9 Minutes

Bereits zum zehnten Mal wurde nun in diesem Jahr der begehrte Preis der Leipziger Buchmesse in den Kategorien Belletristik, Sachbuch/Essayistik und Übersetzung verliehen. Und auch in diesem Jahr war die Zahl der Bewerbern und die damit geschaffene Vielfalt enorm: so reichten 136 Verlage insgesamt 410 Titel ein, die in den letzten Monaten erschienen waren.

Doch es konnte am Ende nur drei Gewinner geben:

Kategorie Belletristik

Saša Stanišić
Vor dem Fest
Luchterhand Literaturverlag

Zur Begründung:

Saša Stanišić hat ein Dorf erfunden, das es ganz gewiss gibt. Nur vielleicht nicht so menschenfreundlich, so unverdrossen. Er macht die Räume eng und die Zeit, erzählt von einer einzigen Nacht, der Nacht vor dem Annenfest, in der sich unwahrscheinlich viel ereignet und manches entscheidet. Zugleich jedoch stößt er die Tür zur Vergangenheit auf. „Vor dem Fest“ unternimmt eine Probebohrung in die Tiefe deutscher Geschichte als Mythologie; ein Unternehmen allerdings, das den gegenwärtigen Kult weihevollen Gedenkens subtil verspottet:

Die alten Schriften, Chronikberichte, Legenden und haarsträubenden Anekdoten à la Kleist, die im „Haus der Heimat“ von einer gemütskranken Kustodin verwahrt werden, sind von höchst zweifelhafter Herkunft. Was das Vergnügen daran nicht mindert. Stanišić hat ein Dorf aus Sprache erfunden, ein Kaleidoskop, einen Kosmos aus vielen Stimmen, Klangfarben, Jargons, die Welt in nuce, magisch zusammengehalten von einem kollektiven Erzähler, der dazugehört, einem, der verschmitzt ist und gewitzt und klug und ein bisschen weise.

Als gälte es, das Zerrbild des Antiheimatromans geradezurichten, dessen Typologie nur das verpatzte Fest kennt. Diese Dörfler sind keine Schurken, Sünder sind sie allemal. Weil auch die Tiere zu dieser fabelhaften Welt der Nussschale gehören, kann eine Füchsin oder Fähe vor einer Bäckerei stehen und denken: „Darin machen Menschen das, was Menschen am liebsten machen: aus einer Sache eine andere.“ Aus einer Sache eine andere machen, das klingt nach einer Mischung aus Handwerk und Alchemie – und nichts anderes macht Saša Stanišić dank stupendem Sprach- und Erzählwitz mit und aus seinem Stoff: man nennt es Literatur, und es lässt sich nicht einsperren in ein Ghetto ewigen Migrantentums. Omne solum forti patria est. Dem Starken ist jeder Boden Heimat. Auch der Sand der Uckermark.

Kategorie Sachbuch/Essayistik

Helmut Lethen
Der Schatten des Fotografen
Rowohlt Berlin

Zur Begründung:

Wir alle sind von Bildern umgeben und umstellt. Weil das so ist, bleibt uns im Alltag kaum etwas anderes übrig, als ihnen einfach zu glauben. Oder, die andere Möglichkeit, wir misstrauen den Bildern fundamental. Nichts ist nützlicher in dieser Lage als eine Verhaltenslehre des Sehens, wie sie Helmut Lethen in seinem neuen Buch „Der Schatten des Fotografen“ vorlegt. Nicht, dass man sich mit diesem Buch durch Youtube-Videos klicken würde. Seine Welt ist vielmehr das Zeitalter der Fotografie. Denn Bilder – so sagt es der Literaturwissenschaftler Lethen mit dem Bildwissenschaftler Hans Belting –, Bilder sind Nomaden, die ihre Zelte in verschiedenen Medien aufschlagen. Was die so unterschiedlichen Bilder in diesem Buch zusammenhält, ist nicht nur die ebenso sinnliche wie analytische Weise, in der Lethen seine Bilder betrachtet. Es ist auch die bohrende Frage nach ihrer Wirklichkeit.

Eine Frage, die umso bohrender klingt, insofern sie ein Autor aus einer Generation stellt, die einst lernte und lehrte, dass Zeichen auf nichts anderes verweisen als auf andere Zeichen. In diesem Buch gibt es Bilder, die emphatisch zeigen, dass hinter ihnen genau nichts zu finden sei; Bilder, die als Schwindel erregende Ironie-Maschinen fungieren. Doch was die insistierende Frage nach dem Dahinter bei anderen Bildern ergibt, ist nichts anderes als existenziell. Die Frau, die auf dem Cover des Buches abgebildet ist, watet mit nackten Füßen durch einen Fluss, Richtung trockenes Ufer. Ein idyllischer Anblick (eine Schäfer-Szene?). Erst der karge Hinweis auf der Rückseite des Fotos – „Minenprobe … 1942“ – macht die Frau sichtbar als das, was sie war: vorgeschickt von Soldaten an der Ostfront, als lebendiges Minensuchgerät.

Kategorie Übersetzung

Aus dem amerikanischen Englisch von Robin Detje
William T. Vollmann: Europe Central
Suhrkamp Verlag

Zur Begründung:

Die Arbeit des Übersetzers ist der eines Schauspielers nicht ganz unähnlich. Auch der Übersetzer deutet einen Text nicht nur an, sondern er inszeniert ihn im Gewand der neuen Sprache. Für diesen schöpferischen Akt schlüpft er in fremde sprachliche Rollen. Dass Robin Detje nun nicht nur Autor und Übersetzer ist, sondern auch Theaterschauspieler, mag ihm bei seiner Übertragung von William T. Vollmanns Roman „Europa Central“ durchaus zugute gekommen sein.

Denn es sind unfassbar viele Positionen, Charaktere und Perspektiven, die er in diesem grandiosen Stück Literatur auszufüllen hatte. Der Roman „Europe Central“ ist ein Stimmwunder über Krieg und Diktatur im zwanzigsten Jahrhundert. Auf mehr als tausend Seiten versammelt es die Einzelschicksale von mindestens vierzig Figuren aus deutscher und sowjetischer Perspektive. Wir hören von historischen Künstlerfiguren wie Käthe Kollwitz und Anna Achmatowa ebenso wie von Generälen, die wie Wlassow und Paulus als Kriegsgefangene jeweils die Seiten wechselten.

William T. Vollmann führt uns durch die versehrte Kriegslandschaft, die dieses Mitteleuropa einmal war, er geht mit uns ins belagerte Leningrad ebenso wie nach Stalingrad, Dresden, Moskau und Auschwitz. Das alles wird berichtet von einer Erzählerstimme, die immer wieder die Identität wechselt. Acht Jahre hat es gedauert, bis „Europe Central“ nach dem Erscheinen des amerikanischen Originals im Jahre 2005 nun endlich auch auf Deutsch vorliegt. Und es ist das große Verdienst dieser Ausgabe, dass Robin Detje anderthalb Jahre lang daran arbeiten konnte, so dass er auch den wichtigen und überaus spannenden Quellenapparat mit mehr als 750 Anmerkungen für die deutsche Ausgabe penibel nachrecherchieren konnte.

Robin Detje schreibt seine Übersetzung stimmig am amerikanischen Original entlang. Immer wieder findet er überzeugende Entsprechungen für Töne, Bilder, Motivreihen. Mit diesem Sprachgefühl, Akribie und auf Augenhöhe mit dem Autor bringt er uns diese Hymne auf die Kunst des Erzählens, die dabei selbst die Grenzen klassischen Erzählens immer wieder durchbricht, auch musikalisch nah.

Nicht ohne Grund steht Dimitri Schostakowitsch im Zentrum des Romans, von dessen Kompositionen sich der Autor auch sprachlich inspirieren ließ. William T. Vollmann hat mit „Europe Central“ eine bedeutende literarische Studie über das Spannungsverhältnis von Kunst und Politik, von Liebe, Macht und Tod geschrieben. Robin Detje hat sie eindrucksvoll übersetzt. In Sätze, voller Schönheit und Abgründe, in denen Zynismus, Lakonie und Poesie aufeinander fallen. Dafür erhält Robin Detje den Preis der Leipziger Buchmesse des Jahres 2014 in der Kategorie Übersetzung. Herzlichen Glückwunsch.

 

Zum Preis der Leipziger Buchmesse

Der Preis der Leipziger Buchmesse ehrt seit 2005 herausragende deutschsprachige Neuerscheinungen und Übersetzungen. Er ist mit insgesamt 45.000 Euro dotiert und wird zu gleichen Teilen in den Kategorien Belletristik, Sachbuch/Essayistik und Übersetzung verliehen.

Der Vorsitzende der Jury ist der Journalist und Literaturkritiker Hubert Winkels. Weiterhin zur Jury des Preises der Leipziger Buchmesse gehören Lothar Müller, Feuilletonredakteur der Süddeutschen Zeitung; René Aguigah, Abteilungsleiter Kultur und Gesellschaft beim Deutschlandradio Kultur; Daniela Strigl, Literaturwissenschaftlerin an der Universität Wien sowie Ursula März, Literaturkritikerin bei DIE ZEIT. Neu dabei sind in diesem Jahr Dirk Knipphals, Literaturredakteur der taz und Sandra Kegel, Redakteurin im Ressort Literatur und Literarisches Leben der Frankfurter Allgemeinen Zeitung.


Verfilmung von Alina Bronsky’s „Scherbenpark“ kommt in die Kinos

Literaturnews

31. Oktober 2013|2 Minutes

Am 21. November 2013 erscheint „Scherbenpark“ von Bettina Blümner („PRINZESSINNENBAD“) in den deutschen Kinos – basierend auf der Romanvorlage von Alina Bronsky’s gleichnamigen Bestseller.

In den Hauptrollen sind Jasna Fritzi Bauer, Ulrich Noethen, Max Hegewald und Vladimir Burlakov zu sehen.

Inhalt:

Im sogenannten „Scherbenpark“ – einer heruntergekommenen Plattenbausiedlung – braucht man schon eine große Klappe und ein dickes Fell, wenn man zurechtkommen möchte.

Sascha ist eine junge Frau: furchtlos, verdammt schlau und ihre Mutter wurde getötet. Dass es ihr Stiefvater Vadim E. war, der ihre Mutter auf dem Gewissen hat, weiß sie genau. Doch auch die Tatsache, dass er von der Justiz kassiert wurde, hilft ihr über die Trauer nicht hinweg. Und als in der Zeitung dann ein Artikel vom reumütigen Mörder veröffentlicht wird, bekommt der verantwortliche Redakteur Volker Trebur ihre geballte Wut zu spüren.

Der möchte das Geschehene wieder gut machen und nimmt Sascha bei sich auf. Und plötzlich landet sie mitten im bildungsbürgerlichen Leben – in einem ökologischen Passivhaus, in dem Volker mit seinem Sohn Felix wohnt. Hier gelten ganz andere Regeln als im Scherbenpark. Doch dann fühlt sich Sascha sowohl zu Felix als auch zu Volker hingezogen und eine sanfte Dreiecksgeschichte entwickelt sich…

 

Mehr Informationen zur Autorin:

Alina Bronsky wurde 1978 als Tochter eines Physikers und einer Astronomin in Jekaterinburg, Russland geboren. Mit 13 Jahren kam sie mit ihrer Familie nach Deutschland und begann nachdem sie die Schule abschloss ein Medizinstudium, das sie allerdings abbrach.

Sie fand anschließend Arbeit als Werbetexterin und Redakteurin bei einer Tageszeitung. SCHERBENPARK ist ihr erster Roman und erschien 2008 bei Kiepenheuer & Witsch.


"Spieltrieb" von Juli Zeh ab 10.10.2013 im Kino

Literaturnews

21. September 2013|2 Minutes

Der internationale Bestseller-Roman „Spieltrieb“ von Juli Zeh verkaufte sich allein in Deutschland mehr als 400.000 mal, eroberte Platz 1 der „Zeit“-Bestenliste und wurde mit dem Prix Cévennes als bester europäischer Roman ausgezeichnet.

Ab dem 10. Oktober erscheint die lang erwartete Verfilmung von „Spieltrieb“ nun in die deutschen Kinos.

In den Hauptrollen sind dabei mit den beiden Newcomern Michelle Barthel (Grimme-Preisträgerin für „Keine Angst“) und Jannik Schümann („Barbara“) sowie mit Maximilian Brückner ( „Rubbeldiekatz“), Sophie von Kessel („Herr Bello“), Richy Müller („Die Wolke“) und Ulrike Folkerts („Tatort“) prominent besetzt.

 

Inhalt:

Die hochintelligente Ada (Michelle Barthel) und der in aller Welt aufgewachsene Alev (Jannik Schümann) lernen sich am Gymnasium kennen. Die 15-Jährige ist fasziniert von dem dämonischen 18-Jährigen und fühlt sich von ihm auch körperlich angezogen. Die beiden Einzelgänger kommen sich näher und bald präsentiert Alev seine Theorie vom Spieltrieb: Alles, was Menschen tun, sieht er als Spielhandlungen an. Sein Ziel ist es, Menschen zu manipulieren und wie Spielfiguren zu steuern. Ihr erstes Opfer wird der Deutsch- und Sportlehrer Smutek (Maximilian Brückner). Alev
stiftet Ada an, Smutek zu verführen. Er filmt sie beim Sex in der Turnhalle und zwingt den unglücklich verheirateten Lehrer, immer wieder mit seiner Schülerin zu schlafen.
Schnell gerät das perfide Spiel außer Kontrolle.

Spannung auf der Leinwand

Die Verfilmung von “Spieltrieb” überträgt die intensive Atmosphäre und die psychologische Tiefe des Romans auf die Kinoleinwand. Die Besetzung mit talentierten Schauspielern verspricht, die komplexen Charaktere und ihre dunklen Machenschaften authentisch darzustellen. Zuschauer können sich auf eine packende Inszenierung freuen, die die Grenzen zwischen Spiel und Realität verwischt.

Ein gefährliches Spiel

In “Spieltrieb” werden die Zuschauer in ein verstörendes Spiel gezogen, das Ada und Alev miteinander spielen. Ihre Manipulationen und die daraus resultierenden Konsequenzen werden die Zuschauer bis zum Schluss in Atem halten. Der Film stellt nicht nur die moralischen Grenzen seiner Charaktere, sondern auch die der Gesellschaft auf die Probe.


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