Fantasy flirtet gerade. Und ehrlich gesagt – wir auch.

21. März 2026|6 Minutes

Warum Romantasy im Frühling 2026 unser Lieblings-Guilty-Pleasure ist (und warum wir aufgehört haben, uns dafür zu schämen)

 

Hand aufs Herz: Wann hast du zuletzt um halb zwei nachts das Licht angelassen, obwohl du morgen früh raus musst – wegen eines Buches?

Wenn die Antwort „neulich“ ist und irgendwo ein Feenwesen, ein finsterer Prinz oder ein Magiesystem involviert war: willkommen im Club. Einem sehr großen, sehr gut gelaunten Club.

Romantasy – also Fantasy mit ordentlich Romance drin – ist gerade überall. Auf Instagram. Im Buchladen-Stapel an der Kasse. In der Handtasche der Frau im Zug gegenüber. Das Genre boomt seit Jahren, aber Frühjahr 2026 fühlt sich noch mal wie ein neues Level an. Die Cover leuchten. Die Fandoms sind laut. Und die Bücher – die Bücher liefern.

Das Erfolgsrezept: Flucht und Gefühl

Warum ist das Genre so unwiderstehlich? Weil es zwei Sachen auf einmal kann, die sich eigentlich ausschließen sollten.

Einerseits: totaler Eskapismus. Man ist weg. Weg aus dem Alltag, weg aus dem Terminkalender, weg in eine Welt, die ihre eigenen Regeln hat und in der Magie real ist. Das tut gut – und zwar auf eine fast körperliche Art.

Andererseits: maximale emotionale Achterbahn. Die Romantasy zieht einen direkt ins Herzstück menschlicher Dynamiken. Anziehung, Misstrauen, das langsame Auftauen von jemandem, der eigentlich keine Schwäche zeigen will. Das ist universell. Das kennt jede.

Zusammen ergibt das eine Kombination, gegen die man kaum eine Chance hat.

Die Tropes – und warum sie funktionieren

Ja, Romantasy arbeitet mit Mustern. Nein, das ist kein Schwachpunkt.

Enemies-to-Lovers ist und bleibt der Klassiker. Zwei Figuren, die sich zunächst nicht ausstehen – oder zumindest so tun als ob –, und man wartet gefühlt dreihundert Seiten auf den Moment, wo es kippt. Das ist manchmal Folter. Meistens ist es herrlich.

Fated Mates – also das Schicksalspaar – klingt nach null Spannung, ist es aber nie. Weil die besten Autorinnen genau da ansetzen: Was, wenn man das Schicksal ablehnt? Was, wenn man die Person nicht ausstehen kann, die das Universum für einen ausgesucht hat? Plötzlich ist da ein ganzer Roman.

Und dann ist da noch das Magiesystem. In guten Romantasy-Büchern hat Magie einen Preis. Eine Grenze. Konsequenzen. Das macht die Welt greifbar – und die Stakes real.

Spice-Level: Reden wir drüber

Eins der faszinierendsten Dinge, die in Buchcommunitys gerade passieren: Leserinnen reden offen darüber, wie explizit ein Buch ist. Die sogenannte Spice-Skala – von romantischen Blicken bis zu sehr, sehr deutlichen Szenen – ist auf BookTok und Co. zur normalen Orientierungsgröße geworden.

Klingt erstmal ungewöhnlich. Ist aber eigentlich total praktisch. Wer wissen will, ob das Buch für die U-Bahn taugt oder eher für zuhause allein auf dem Sofa, hat damit sofort eine Antwort. Kein Herumrätseln, kein unerwartetes Erröten in der Öffentlichkeit.

Dass Menschen so offen darüber sprechen, was sie in Büchern suchen, ist übrigens kein Zeichen von sinkenden Ansprüchen – sondern von Selbstbewusstsein. Man weiß, was man will. Man fragt danach. Gut so.

Bevor du anfängst: drei Fragen an dich selbst

Das Angebot ist riesig und der E-Reader fasst mehr, als man je lesen kann. Diese drei Fragen helfen, das richtige Buch zu finden – und den falschen Start zu vermeiden.

1. Standalone oder Reihe? Reihen bedeuten: mehr Zeit in dieser Welt, mehr Figuren, mehr Tiefe. Aber auch: monatelang warten auf Band zwei. Wer das nicht aushält, fährt mit einem Standalone besser. Kein Cliffhanger, kein Warten, trotzdem volles Programm.

2. High Stakes oder Cozy? Romantasy kann Weltenuntergang – oder eben auch: kleines Dorf, Herbststimmung, ein bisschen Magie und ein Wiedersehen mit dem Ex, der jetzt irgendwie anders aussieht. Cozy Fantasy ist gerade sehr im Kommen, und manchmal ist genau das, was man braucht.

3. Mythen oder Dystopie? Griechische Götter, irische Folklore, nordische Welten auf der einen Seite – Zukunft, Magie trifft Technologie, Gesellschaft am Limit auf der anderen. Beide Richtungen haben gerade richtig gute Bücher. Wer weiß, wo man emotional gerade steht, findet schneller sein nächstes Lieblingsbuch.

Content Warnings: kein Spoiler, sondern Anstand

Viele Autorinnen – vor allem aus dem englischsprachigen Raum – listen inzwischen Content Warnings auf, oft auf ihrer Website oder im Buch selbst. Also Hinweise auf Themen wie Verlust, Trauma oder psychische Erkrankung.

Das ist gut. Das ist richtig. Und es macht Romantasy als Genre erwachsener, als man vielleicht denkt. Weil dahinter der Gedanke steckt: Du entscheidest, wann du bereit bist für was. Nicht das Buch. Du.

 

Romantasy ist kein Guilty Pleasure. Es ist einfach Pleasure.

Und manchmal braucht man um halb zwei nachts genau das: eine Welt, in der Magie funktioniert, Liebe kompliziert ist – und das Ende trotzdem gut werden wird.

Dein Begleiter beim Entdecken bedeutungsvoller Geschichten, beim Eintauchen in literarische Stimmen und beim Erkunden der Welt durch Bücher.


© 2025 Literatur ABC. All rights reserved.

Privacy Preference Center